Camerons Pubgate: (nicht) ohne meine Tochter!
Stell dir vor, du gehst mit Familie auswärts essen und „vergisst“ deine kleine Tochter. Kann auch einem englischen Premierminister passieren.
Die Reaktionen der Öffentlichkeit waren heftig: „Wenn er nicht mal auf seine Tochter aufpassen kann, wie soll er dann auf ein ganzes Land aufpassen?“, hieß es. Oder: „Braucht eine 8jährige nicht einen Kindersitz? Hat niemand gesehen, dass der leer war?“
Wer den Schaden hat, braucht sich um den Hohn nicht zu kümmern. Schon gar nicht, wenn er David Cameron heißt und britischer Premierminister ist. Dabei wollte er sich nur einen netten Sonntag machen. Mit Frau und Kindern. Zum Lunch im Pub.
Das Lokal heißt „Plough Inn“ und ist im Dörfchen Cadsden gelegen, wenige Meilen von „Chequers“ entfernt, dem offiziellen Landsitz des englischen Regierungs-Chefs. Ideal für einen sonntäglichen Ausflug. Mit Frau Samantha und den Kindern Nancy (8), Arthur (6) und Florence (2).
Wieviel er an jenem Tag getrunken hat, verriet Cameron nicht, als die Fragen kamen. Wie es denn passieren könne. Dass man mit Kindern essen gehe und am Rückweg auf eines vergisst. „Kann der nicht bis fünf zählen?“ hieß es unter anderem auf Twitter.
Wo ist Nancy?
Das Subjekt der öffentlichen Neugier – Nancy – war kurz vor Aufbruch vom Pub noch mal auf die Toilette gegangen. Und da geschah seinesgleichen: Vater David dachte, sie sei bei Mutter Samantha. Die Mutter dachte dasselbe, nur umgekehrt.
Die Sicherheitsvorkehrungen wollen es, dass der Premierminister nicht mit Familie in ein – und demselben Auto fährt. Die Bodyguards hatten offenbar anderes zu tun als die Kinder abzuzählen und die Frage war auch: Ist das nicht Sache der Eltern?
Letztere waren entsprechend alarmiert, als man zuhause merkte, dass Nancy mit Abwesenheit glänzte. Und letztlich im Pub gefunden wurde, wo sie beim Aufräumen half, etwaige Telefonnummern ihrer Eltern hatte niemand gehabt.
Der öffentliche Aufruhr war massiv („Das Mädchen hätte entführt werden können!“), der Spott kam nicht zu kurz. Zumal Cameron soeben eine Elternklassen-Initiative verabschiedet hat.
Seit Kurzem können sich englische Eltern in modernen Erziehungsmethoden unterrichten lassen und kriegen dafür Gutscheine für BabyProdukte. Die Initiative stand ursprünglich im Kreuzfeuer der Kritik. Nun wurde plötzlich ihre Sinnhaftigkeit gesehen: „Möge der Prime Minister selbst die Klassen besuchen. Er hat sie offenbar nötig.“
Quelle. Prime Minister´s Pubgate
Foto 1: Poster for a new generation by LoopZilla, Lizenz: CC BY-SA 2.0
Foto 2: The Plough Pub at Lower Cadsden by Peter, Lizenz: CC BY-SA 2.0
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