Der transparente Vater 11. Sag mir, wie man eine Tochter zeugt
Wer – wie ich – am laufenden Band mit Buben beglückt wird, will es irgendwann mal wissen: Kann man eine Tochter planen? Eine Recherche.
Wie zeuge ich eine Tochter? Keine Ahnung. Es wär auch gelogen, würde ich behaupten, ich hätte es versucht. Ging es um Familienplanung, vertraute ich immer auf die Methode des vorzeitigen Rückzugs. Mit beträchtlichem Erfolg.
Zugegeben, war der Test mal positiv, bat ich die Götter gern verspätet um ihre entsprechende Gunst. Nicht einmal Aberglauben war mir zu blöd. Ich hab meine Hose westlich vom Bett runter gelassen, weil vom Osten her angeblich die Buben kommen. Ich hab sogar die alte Beschwörungsformel aus dem Spessart („ruck, ruck, Ruah – es wird a Bua“) wunschkindgemäß umgewandelt und vor dem Schlafengehen inbrünstig gemurmelt („ruck, ruck, Radl – es wird a Madl“).
Es wurden immer Buben. Meine Sehnsucht nach einer Tochter, nach so einem Ding, das mich mühelos um den Finger wickelt, blieb für immer unerfüllt. Ist okay. Das Fingerwickeln schafft auch mein Kleiner mit links.
Und dennoch, immer wenn irgendwo eine Tochter-Nachricht auftaucht, fühl ich diesen kleinen Stich im Bauch. Zum Beispiel wenn Tim Roth in „Lie to Me“ mit seiner 16jährigen Emily schäkert.
Es müssen nicht einmal Bilder sein, es reicht eine nüchterne Nachricht. Unlängst kam diese Findung der Wissenschaft durch: Wenn gestresste Leute Sex (mit Erfolgsmeldung) haben, wird es in aller Wahrscheinlichkeit ein Mädchen.
Bei eingehenderem Check erfährst du dann, dass die Gründe dafür das Stresshormon Cortisol und das Alpha-amylase-Enzym sind, die bei Stress nun mal deinen Organismus bevölkern. Und laut Studie eine 75%ige Mädchen-Wahrscheinlichkeit hervor rufen.
So wird im Nachhinein immerhin klar, warum etwa aus der Befruchtung von Carla Bruni durch Präsident Nicolas Sarkozy nur ein Girl entstehen konnte. Politiker sind nun mal gestresste Leute. Ebenso klar, warum eine etwaige „Stress-Methode“ bei mir nie funktionieren könnte, ich brauch ja nur die Witterung meiner Holden aufnehmen, schon bin ich im Garten Eden.
Aber Stress allein kann nicht der einzige Indikator für das Geschlecht des Nachwuchses in spe sein. Also ging ich der Sache nach und googlete mir Daten zu einem theoretischen Projekt Wunschtochter.
Ich ging dafür weit zurück, über 2380 Jahre, bis hin zum griechischen Arzt Hippokrates. Die Götter in Weiß schwören zwar noch heute ihren Eid auf ihn, aber manchmal ging die Fantasie etwas mit ihm durch. Wer einen Sohn will, meinte er beispielsweise, soll sich vor dem Sex den rechten Hoden abbinden. Nun, in knapp 50% der Fälle hatte er vermutlich recht. Nur war mir das nicht wissenschaftlich genug.
Entsprechend fündig wurde ich beim amerikanischen Biologen Landrum B. Shettles (1909 – 2003), seines Zeichens der Mann hinter den ersten Versuchen einer In Vitro-Befruchtung (für die ein gewisser Robert Edwards erst vor ein paar Jahren den Nobelpreis erhielt).
Mister Shettles hatte eine Methode für alle Menschen entwickelt, die das Geschlecht des Wunschkindes nicht dem Zufall überlassen wollen, eine Methode, die seines Wissens mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit zum Kind des gewünschten Geschlechts führt.
Ad hoc gleich eine Korrektur: Diese Wahrscheinlichkeit wurde in jüngerer Vergangenheit auf 77% reduziert. Warum? Weil zeit seiner Experimente im Durchschnittssamen noch 200 Millionen Spermien pro Milliliter herum zuckten, heute sind es nicht einmal mehr 20 Millionen (siehe Der subfertile Mann hier), sowas geht auf Kosten der Vorhersagbarkeit.
Projekt Wunschtochter
Zur Methode. Die Aktion Wunschtochter beginnt relativ harmlos. Um den Eisprung zu ermitteln, trete die Frau zum so genannten „Hopstest“ an, das heißt, sie setze sich einige Male abrupt auf eine harte Oberfläche. Wenn sie unweit des Blinddarms einen Schmerz verspürt, ist sie fündig geworden. Nach spätestens sechs Monaten weiß sie dann im Vorhinein, wann sie fruchtbar ist.
Der Rest hat nicht wirklich mit Sinnlichkeit zu tun. Er erinnert weniger an hemmungslose Orgie, mehr an eheliche Pflicht. Wäre es nicht um der Wunschtochter Willen, würde man als Ästhet auf eine Erektion glatt verzichten.
Der Kern zum Projekt Wunschtochter hat mit Dimensionen zu tun. Wer die knapp 18 Zentimeter lange Reise des Spermiums durch die Gebärmutter zum Ei mit der 500-Meilen-Tour des Lachses stromaufwärts vergleicht, liegt in etwa richtig.
Die Natur will es, dass die männlichen Androspermien wesentlich schneller unterwegs sind als die weiblichen Gynospermien. Letztere wiederum leben länger.
An dieser Stelle kommt auch eine Shettles-Erkenntnis zum Tragen, nämlich dass die Samenfäden auf das „Scheidenmilieu“ unterschiedlich reagieren: Das Androspermium findet eine „saure“ Vagina schlicht unerträglich, während es im „basischen“ Milieu geradezu zum Flitzer wird.
Wer nun von einer Tochter träumt, kann den Traum aufgrund obiger zwei Fakten relativ einfach kanalisieren: Damit kein Androspermium überlebt, sollte das Paar nicht später als zwei Tage vor dem Eisprung zur Vereinigung schreiten. An Stelle eines Vorspiels greife man zum Klistier, um die Vagina mit einer Essigwasserlösung zu spülen.
Damit der Weg der Spermien ein möglichst weiter ist, empfiehlt sich als Stellung die den Missionaren zugeschriebene. Alles, was nach dezenter Penetration dann noch fehlt, ist die Entladung des Mannes. Voila, schon ist begonnen, was sich neun Monate später als Tochter entpuppen sollte.
Leider hat die Methode einen signifikanten Haken. Einen, auf den übrigens bereits eine alte jüdische Schrift hinweist: „Erfolgt die Entladung (=Orgasmus) der Frau vor der Entladung des Mannes“, heißt es dort, „wird es ein Junge.“
Ein Umstand, den auch Shettles bestätigt. Der Grund: Das beim Höhepunkt der Frau strömende Nass ist die optimale „basische“ Lauge für den Weg des männlichen Spermiums zum Ei.
Mit anderen Worten: Einer zukünftigen Tochter zu Liebe müsste die Frau bei der Begattung strikte Disziplin an Stelle von ungehemmter Lust walten lassen. Und so scheitert wohl so manches Projekt Wunschtochter. Welche Frau verzichtet schon freiwillig auf ihren Orgasmus?
Foto: Luciano/Zingaro, Lizenz: CC BY 2.0
Über den Autor (Autorenprofil)
Manfred Sax ist Vater von vier Kindern. Für endlichvater.eu verfasst er regelmäßig die Kolumne “Der transparente Vater”.








Irgendwie s e h r beruhigend, dass der Mensch noch nicht weiss, wie er es anstellen muss, dass gewünschte Geschlecht zu erhalten. Ein Segen! Er würde sonst, wie so oft oder immer, das Gleichgewicht aus den Augen verlieren! (z.B. China;-()