Gnädigste & die Biologische Uhr 09. Wenn Männer lieben …

Gnädigste | 20. August 2012 | 19 Kommentare

… spielen Ängste immer mit. Aus rechnerischen Gründen. Der Gedanke, dass „Eins + Eins = Drei“ ergeben könnte, ist ihnen nicht geheuer.

Unlängst schlug C. wieder einmal nach ausgiebigem Männerabend kurz vor Mitternacht leicht zerzaust in heimatlichen Gefilden auf. Damit ich auch etwas davon habe, folgt alsdann üblicher Weise ein mehrstündiger Redefluss, zur seelischen Aufarbeitung des Erlebten.

Ich ertrage diese eher feminine Seite an ihm deswegen gern, weil es mich amüsiert zu erfahren, was im exklusiven Herrenclub tatsächlich geredet wird. Auch amüsant: Die wahren Zugänge und Diskurse dazu werden dann doch eher mit dem Weibe geteilt, damit die lässige Schulterklopf-Partie bloß keine gröberen Risse bekommt.

Der bunte Herren-Cocktail besteht aus W. (frisch gebackener, mittlerweile dreifacher Vater), Hausfreund M. (gerade in der Midlife Crisis, startet daher nochmals mit einem jüngeren Modell durch) und dem attraktiven Szenetyp T. (ewiger Junggeselle, meist euphorisch in einer Beziehung mit der „wahren“ Traumfrau – für die nächsten 12 Monate). P. ist als frühpensionierter Start-over-Dad abends ob des erlaubten Freigangs sowieso Fixstarter.

Man stellte die Theorie auf, dass die geliebte Frau als solche natürlich schon auch zeitgleich eine komplexe, nebulöse Bedrohung darstellt. Vor allem wenn Kinderwunsch besteht oder das Unausweichliche gar schon passiert ist. Eine Theorie, mit der jeder Mann kann. Wenngleich jeder auf die „Bedrohung“ anders reagiert.

Maskuline Ängste

M. etwa leidet derzeit unter sexueller Leistungsschwäche, unter Druck Kinder zeugen ist für den alten Narziss doch nicht so ohne.

T. meinte, er lasse sich sicher kein Kind von einer Frau anhängen, um dann vom Samen- zum Geldspender degradiert zu werden bzw. sexuell in der Beziehung nicht mehr auf seine Kosten kommen zu können – (ein kleiner Seitenhieb Richtung Sugardaddy P., der ordentlich unter der Fuchtel seiner jungen Frau steht).

Derart angestachelt stellte W. erstmals Überlegungen dazu an, was eigentlich sorgerechtlich passiert, wenn A. sich von ihm trennen sollte, zumal sie nicht verheiratet sind.

Derlei maskuline Panikattacken sind für mich bloß Sinnbild für die schnelllebige und amüsierfreudige Gesellschaft unserer Zeit.

Die „Traummänner” von heute sind hin und her gerissen zwischen der Angst vor Bindung nebst Konsequenzen versus der Angst vor dem Alleinsein.  Sie haben Angst vor Verlust an Souveränität und Lebensqualität. Angst, die Bewunderung der Partnerin an ein Neugeborenes zu verlieren. Angst vor Versagen. Angst, ausgenutzt und letztlich zur bloßen Geldquelle für den Nachwuchs zu verkommen.

Gesucht: Nadel im Heuhaufen

Und sie haben Recht. Denn ein Blick auf das feminine „feindliche Lager“ zeigt: Viele Frauen, die sich jahrelang sorglos amüsierten und ihre Partner wie die Dessous wechselten, finden sich spätestens 35+ plötzlich in der „Biologischen Uhr-Falle“ wieder. Und würden dann über Leichen gehen, um zu bekommen, was sie sich nun ebenso plötzlich ersehnen.

Das heißt noch lange nicht, dass sie in dem Stadium jetzt bindungsfähig, auf eigenen Beinen stehend oder charakterlich gut ausgestattet bis gefestigt wären.

Die Nadel im Heuhaufen zu finden ist schwer. Ich gestehe meinen Herren diese Ängste daher durchaus zu. Umgekehrt hat man es als gesund ausgeprägte, verständnisvolle Nadel somit nicht leicht, mit derlei misstrauischem Mannsvolk dann sein Glück zu finden.

Die Uhr tickt trotzdem – und sich über diese Frauen lustig zu machen, sie bestenfalls hinzuhalten und ihre Zeit zu stehlen, halte ich für vermessen.

Ich glaube, dass es eher an der Zeit ist, grundsätzlich wieder mehr an der eigenen Bindungsfähigkeit und bestenfalls am Aufbau einer ehrlichen, von offenen Diskursen geprägten Beziehung zu arbeiten. Zu lernen, nicht so schnell aufzugeben. Gegenseitiges Vertrauen zu schaffen, als Grundlage für so ein großes gemeinsames Projekt. Und selbst wenn eine Trennung unvermeidlich ist, sollte man sich an gewisse Regeln des Anstands sowie die Grundlagen des Wohles eines Kindes erinnern. Das gilt für beide Fraktionen.

C. , mittlerweile erzähltechnisch verstummt, lauscht meinen Gedanken dazu und blickt mich durch eine Rauchwolke nachdenklich an.

„Weisst Du, ich habe heute vor allem zugehört, etwas kalmiert und oft geschmunzelt. Ich kenne diese Befürchtungen nicht. Ich habe meine Nadel schon gefunden.“

Ich muss sagen, es lässt sich schon ganz gut miteinander schlafen, wenn man weiß, dass man für den Anderen die Nadel schlechthin ist.

Foto: Mike Slichenmyer, Lizenz: CC BY-ND 2.0

Über den Autor (Autorenprofil)

Simone Anton alias Gnädigste ist Jahrgang 1975 und lebt und arbeitet in Wien.

Kommentare (19)

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  1. Rollentypologie. Welcher Vatertyp bist du? » endlichvater.eu | 21. August 2012
  1. Wolfgang D. sagt:

    Derlei maskuline Panikattacken sind für mich bloß Sinnbild für die schnelllebige und amüsierfreudige Gesellschaft unserer Zeit. :-) (Zitat)

    • Gnädigste sagt:

      Na weils wahr ist. In Wahrheit wollens alle das Gleiche, stattdessen Todesängste und Geschlechterkrieg. Kriegts Euch ein bitte. :-)

      • Michael sagt:

        Lass uns einfach. Klar wollen wir alle das gleiche und das eine. Aber manchmal möchten wir einfach wieder kinder sein :-)

        • Gnädigste sagt:

          ja, aber selbst die indianer hatten irgendwann eine squaw oder der cowboy sein girl. und selbst superman hatte lois! eine vom feindlichen lager halt …

          • Michael sagt:

            Aber find die mal heutzutage. Früher bist zu einem treck nach oklahoma oder sonstwo aufgebrochen und der rest hat sich von selbst ergeben. oder du hast winnetou die schwester abgequatscht. aber heute? Und als superheld geh ich einfach nicht durch :-)

  2. Gnädigste sagt:

    vielleicht solltest du auch öfters (irgendwohin) aufbrechen um sie zu finden. daheim unterm couchpolster wirst sie nicht finden. so zutraulich sind wir auch wieder nicht. ps. superhelden sind out.

  3. Günther sagt:

    Geschlechterkrieg bringt uns nicht weiter Das is nur programmiertes ablenken von eigentlichen Wirklichen Problemen,das man irgendwann ganz locker über Männer und Frauen drüberfahren kann wir sollten uns einigen Männer und Frauen sonst Überleben nur die die oben die Schalter und Hebeln Manipulieren!

  4. Michael sagt:

    Also ich würd jetzt nicht von feindlichen lagern sprechen :-) Ich brech eh sieben tage in der woche auf…und meine rechenaufgabe habe ich bereits gelöst. Das kann mich nimmer erschüttern. Ich weiss, dass hier alle wege funktionieren, wenn alle beteiligten nur wollen. Und selbst wenn alle ihre rechenaufgaben gelöst haben hat mich die erfahrung in letzter zeit gelehrt, dass es besser gewesen wäre rechtzeitig die flucht anzutreten als von der gegenseite niedergeprackt zu werden :-)

    • Gnädigste sagt:

      ich glaub man sollte eher die richtigen sensoren für gestörte leut entwickeln und auf seine innere stimme hören. meistens spürt man es ja schon und lässt sich nur trotzdem drauf ein, you know what I mean! es gibt soviel gute leut da draußen..believe me.

  5. Wolfgang sagt:

    ich find das video ganz gemein als irreführende werbung für deinen text missbraucht! tztztz

  6. Gnädigste sagt:

    schlage plan c vor: land suchen und entnüchtern.

  7. Adi sagt:

    … so locken Sie immer! Und in der anderen Hand den Hammer!

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